Gorges de la Nesque

Nicht nur der Mont Ventoux lockt alle Zweiradfahrer, sondern auch die Nesque-Schlucht zwischen Villes-sur-Auzon und Sault. Es ist eng und kurvig, und richtig steil. Mir wird’s fast schlecht beim Blick über die nicht vorhandene Leitplanke.

Lieber Ulli, das wäre in jedem Fall Dein Terrain fürs Radeln, in der Gegend hier findest Du massenhaft Steigungen von 10 %…

Die meisten Radler schlagen sich wacker – und Henri auch, er schnättert mit uns durch die Schlucht und ermöglicht somit eindrucksvolle Ausblicke. Großes Kino! Bei Monieux liegt auch noch ein netter Freizeit- und Badesee, an dem am heutigen Feiertag (Dt. Kapitulation) richtig was los ist, Biker zuhauf.

Im Schatten des Mont Ventoux

Wir sind umgezogen, an den Fuß des Mont Ventoux, auf den sehr schönen, gepflegten CP „Les Verguettes“ in Villes-sur-Auzon. Denn eines ist klar: Die Provence wird nicht verlassen, bevor nicht Henri, Axel und ich da oben stehen!

Bei unserer ersten Wanderung ums Womo rum geht es wie üblich stetig bergan, durch Eichen- und Nadelwälder, den Schicksalsberg der Tour de France quasi immer vor der Nase oder im Rücken. Durch Weinberge (die Ventoux-Weine sind wohl bekannt und werden geschätzt – wir trinken natürlich auch gleich eine Flasche, und können bestätigen: Sehr gut, trocken, gehaltvoll!), Olivenhaine und riesige Kirschbaum-Felder, vorbei an Bories und kleinen Ortschaften. Und überall duftet es nach Thymian, Rosmarin und Pinienzapfen. Das macht Lust auf Sommer, Sonne, Schampus und Tiefenentspannung.

Tiefblau

Es ist wirklich so: Die Provence hat ihren eigenen Himmel und einen ganz intensiven Duft von Sommer und Gewürz: Ob beim sehr geschäftigen Treiben auf dem riesigen Samstagsmarkt in Apt (die Stadt der kandierten Früchte) oder in Bonnieux, einer durch die Mayle-Bücher bekannten Ortschaft (in der die Immobilienpreise explodiert sind, unglaublich!).

Nachtrag: Und jetzt haltet Euch fest, laut Wikipedia lebt Peter Mayle nun in Lourmarin. Ich sag’s doch: Wo wir sind, ist vorne!

Wir decken uns auf dem Markt mit frischen Gemüse, Schafs- und Ziegenkäse und einem Armbändle fürs Heidi ein…

Henri hat laut Axel wohl schon italienische Luft geschnuppert, er fährt immer besser und bringt uns tapfer die Berge hoch. Wir machen eine Ausfahrt nach Viterolle-en-Luberon, an der Grenze zum Departement Alpes de Haute-Provence; man sieht ganz weit in der Ferne die schneebedeckten Alpen, einfach super.

Wenn das Wetter mitspielt, wollen wir hier oben demnächst eine längere Wanderung machen.

Ach ja, wie vor kurzem schon gepostet: Wir haben neue Freunde, zwei Katzen. Sie sind noch ein bißchen scheu bzw. streichelunwillig – aber beim Fressen immer an erster Front. Sie lieben Quark. Und Leberpastete. Und Salami, ein Stück Entrecote wird auch goutiert. Und wir freuen uns sehr über die zwei!

Orchideen-Wanderung

… und andere Blümchen.

Außer Schnakenspray alle Regeln befolgt: Wanderschuhe, etwas zu trinken im Rucksack und vor allem, zuerst eine Michelin-Wanderkarte der Umgebung besorgt. So ausgestattet sind wir von Lourmarin (ein lebendiges, kleines Dorf mit vielen Restaurants und Künstlerateliers) über kleine Weiler in die ersten Ausläufer der Luberon-Berge marschiert. Endlich ohne Jacke, bei angenehmen Temperaturen.

Schön ist es hier: Eichenwälder, Weinberge, Felder – und überall am Wegesrand wilde Orchideen, Mohn und viele weitere (un)bekannte Blumen. Und ich im deutschen Tarn!

Camping Les Hautes Prairies

Les Hautes Prairies, in Lourmarin

Am Montag war der letzte schöne Sonnentag auf der Ile d’Oleron. Also haben wir uns entschieden, den warmen Temperaturen so gut es geht nachzureisen. Und die sind derzeit in Frankreich vorrangig am Mittelmeer zu finden. Also auf in die Provence!

Mit einem Zwischenstopp im Limousin (liebe Eltern, ich sage nur: Der Sohn… einmalig!) sind wir am 1. Mai im Departement Vaucluse, in der Nähe von Apt, angekommen. Der zuerst angefahrene CP an der Durance war wegen 4 Tage starken Regens nicht mehr passier- und nutzbar. Im nächsten Ort haben wir uns jetzt niedergelassen. Der Platz ist groß, ruhig, es gibt einen Brot-Bestellservice und ein Freibad (ist aber noch nicht befüllt) – recht schnörkellos, aber sauber und für die nächste Zeit im Luberon ideal gelegen.

Rodeo einmal um die Insel

Da wird die Bandscheibe gefordert – so schlechte Straßen wie hier haben wir selten erlebt, ein echter Ritt!

Über den Fischereihafen La Cotinière zu den Austernbecken auf der Ostseite der Insel bis ganz in den Norden, zum Phare de Chassiron. Ein schöner Ausflug, der unterschiedliche Ortschaften und Küstenstreifen zeigt.

Aber ganz schön holprig…

Rauchende Socken: 22 km

Tja. Regel Nr. 1 beachtet: Wanderschuhe angezogen. Regel Nr. 2, 3 und 4 total vergessen: Unterwegs ohne Wanderkarte (nur mit so einem Touristenplan, self-made von wem auch immer), ohne Wasser/Getränk, ohne Schnakenspray.

Wir sind von unserem CP über St. Georges d’Oleron auf die andere Seite der Insel marschiert, entlang an Feldern, mini Weinbergen (hier wird u. a. der Pineau des Charentes angebaut), durch Pinienhaine zu den Marais salants (Salzabbaufelder und gleichzeitig Naturschutzgebiet = zudem aber auch eine extreme Schnakenbrutstätte) nach Le Douhet.

Und wieder zurück…Knackige 22 km.

Wir sind fix und fertig nach 5 1/2 Stunden Wandern, zumal wir morgens noch am Strand joggen waren. Aber: So sieht man von der Umgebung halt am meisten, das lohnt sich schon!